Alles wieder im Fluss: Das Comeback der Störschleife in Itzehoe

Rathauskonzept Störschleife (Itzehoe)

Rathauskonzept Störschleife

Wasser steht für Leben, für Verbindung, für Gemeinsamkeit. Städte weltweit identifizieren sich mit „ihren“ Flüssen: Berlin mit der Spree, Kairo mit dem Nil, Bordeaux mit der Garonne – die Liste könnte man endlos weiterführen. Nun plant die Stadt Itzehoe die Wiederbelebung ihrer ehemaligen Störschleife – und erhofft sich damit eine neue Aufbruchsstimmung in der Stadt. Ein spannendes und unterstützungswürdiges Projekt!

Von der Stör umarmt – das frühe Itzehoe

Über Jahrhunderte hinweg durchlief die Störschleife als ursprünglicher Flusslauf die Stadt Itzehoe in Schleswig-Holstein. An ihrem Ufer entstand im Mittelalter zum Schutz der Stadt die Burg Itzehoe, das Wasser diente als natürliche Barriere und ermöglichte der Küstenschifffahrt Zugang ins Stadtzentrum. Ein reger Handel dominierte das Stadtbild, Industriebetriebe siedelten sich in der Stadt an – die Stadt blühte auf, ihre Bewohner schätzten „ihre Stör“. Doch leider brachte die Störschleife auch Herausforderungen mit sich: Die Bevölkerung litt unter der Angst vor Sturmfluten und Überschwemmungen, ungelöste Probleme der Stadtentwässerung machten das Leben in der Neustadt schwer. Was darauf folgte war eine Vernachlässigung sowie der Verfall des historischen Stadtteils. Als Antwort auf diese Entwicklung entstand in den Sechzigerjahren ein Flächensanierungskonzept – im Rahmen dieser Maßnahmen wurde die Störschleife im Jahr 1974 mit etwa 110.000 m³ Sand zugeschüttet.

Die Stör als neue Lebensader

Planungskonzept Störschleife (Itzehoe)

Planungskonzept

Doch seit der Zuschüttung der Störschleife fehlt etwas in Itzehoe, ein sonntäglicher Spaziergang in der Natur und am Wasser ist nicht mehr möglich – dies hinterlässt eine Lücke im Herzen der Bewohner. Es scheint gar so, als hätte Itzehoe seit Beendigung des Stadtumbaus etwas von seiner Ursprünglichkeit, seiner Attraktivität verloren. Das Ufer fehlt als Erholungsort, als Treffpunkt, als Spielplatz. 2010 kam es daher zu der innovativen Idee, die Stör zurück in die Stadt zu holen, die ursprüngliche Störschleife zu neuem Leben zu erwecken. Treibende Kraft bei diesem zukunftsweisenden Projekt ist der im August 2011 gegründete Verein ›Störauf‹ e.V. Die engagierten Mitglieder schätzen ihre Vision als realisierbar ein und planen ihr Projekt innerhalb von vier Bau-Stufen. Dabei soll die Öffnung der Störschleife in ihrem alten Verlauf durch das Stadtzentrum geschehen und der Stadt Itzehoe so ihre historische Struktur und ihre flüssige Lebensader zurückgeben.

Viele Städte, ein gemeinsames Ziel

Die Verbannung der Störschleife ist eine Entscheidung, die nun rückgängig gemacht werden soll. Der Fluss als attraktives Identitätsmerkmal fehlt und wie in vielen Mittelstädten Deutschlands verliert das Stadtzentrum an wirtschaftlicher Bedeutung. Unternehmen und Geschäfte müssen finanzielle Einbußen hinnehmen. Dieser Entwicklung soll nun ein Ende gesetzt werden – mithilfe der schönen Stör. Der Verein ›Störauf‹ e.V. plant eine Wiederbelebung der ehemaligen Störschleife und ist dabei nicht allein: Auch Städte wie Kiel, Eckernförde, Glückstadt und Regensburg holen sich ehemalige Wasserstraßen zurück in ihre Stadt. Wir wünschen dabei ganz viel Erfolg!

Fotos: Michael Ruff, http://www.stoerauf.de/material

1 comment

  1. Peter Brandt

    Tolle Idee. Ich hoffe jedoch, dass die Kosten für ein derartiges Projekt in Falle einer Umsetung ausschließlich die Stadt Itzehoe tragen wird.

    Vor gerade mal 40 Jahen wurde die Schleife unter Bezuschussung zugekippt und jetzt soll für die Dummheit der damaligen Entscheider erneut der überregionale Steuerzahler blechen?? Das sollte keinesfalls passieren.